Herzog & de Meuron
Competition
1994-1995

Project Description available in German

Überlegungen der Architekten zum Städtebau

Die Dreirosenbr√ľcke verbindet zwei Uferseiten der Stadt, welche durch hohe, haupts√§chlich industrielle Geb√§ude bestimmt sind. Die Stadt ist hier aber nicht zu Ende und sie f√§ngt auch nicht hier an. Die hohen Geb√§ude und die Br√ľcke markieren lediglich einen √úbergang; ein √úbergang des sich in drei L√§ndern ausdehnenden Stadtk√∂rpers von schweizerischen Quartieren zu franz√∂sischen Quartieren auf der einen Seite und zu deutschen Quartieren auf der anderen Seite des Flusses. Die neue Dreirosenbr√ľcke soll deshalb ‚Äď gleich wie die heutige Br√ľcke ‚Äď wie ein einfacher Balken gebaut werden, welcher die beiden Ufer ohne unn√∂tige Dramatik, Expressivit√§t oder Symbolik verbindet.

zur Br√ľckenkonzeption

Die Br√ľcke ist als einfacher Balken konzipiert. Dieser Br√ľckenbalken ist mit rechtwinkligen, fensterartigen √Ėffnungen versehen, welche der Br√ľcke den Ausdruck eines Geb√§udes verleihen. Da es sich um eine st√§dtische Autobahnbr√ľcke handelt, ist sie ja nicht ein isoliertes St√ľck Ingenieurbaukunst inmitten einer idyllischen Landschaft, sondern ein Teilabschnitt eines zusammenh√§ngenden Verkehrsystems, das wie ein weitverzweigtes, meist unterirdisch angelegtes Geb√§ude in den Stadtk√∂rper hineingebaut ist. Dieser unterirdische Bauk√∂rper ist meist unsichtbar im Boden vergraben; auf dem dar√ľberliegenden Stadtboden ahnt man kaum etwas davon, ebensowenig wie die Insassen der Fahrzeuge ahnen, wo sie sich innerhalb des Stadtk√∂rpers gerade befinden. An ausgew√§hlten Orten taucht er auf und die geballte Ladung von Personen und Frachtverkehr tritt ans Tageslicht. Ein solcher Ort ist die Br√ľcke; sie ist der bedeutendste sichtbare Abschnitt des ganzen Strassenbauwerks, und dies in doppelter Hinsicht:

von Aussen betrachtet, also f√ľr die Stadtbewohner, weil etwas im Stadtk√∂rper Verborgenes visualisiert und auf diese Weise verst√§ndlich und erkennbar wird.

von Innen betrachtet, also f√ľr die Fahrzeuginsassen, weil der Ausblick auf den Fluss eine Beziehung zwischen dem unterirdischen Bauwerk, in dem sie sich bewegen, und dem Stadtraum hergestellt wird.

Die Br√ľcke ist deshalb wie ein √ľber den Fluss gelegtes St√ľck des Stadtk√∂rpers konzipiert, so als w√ľrde die Stadt von einem Ufer zum anderen wachsen und nicht bloss die beiden Uferseiten miteinander verbinden. Auch wenn es sich um eine Autobahnbr√ľcke handelt, liegt hier eine stadtr√§umlich verwandte Absicht zugrunde wie bei den mit H√§usern bebauten Br√ľcken des Mittelalters, wie z.B. dem Ponte Vecchio in Florenz. In beiden F√§llen wird ‚Äď selbstverst√§ndlich aus anderen Gr√ľnden ‚Äď eine stadtr√§umliche Kontinuit√§t √ľber die Br√ľcke hinweg angestrebt.

zum ‚ÄúVorland‚ÄĚ

Diese Konzeption der neuen Br√ľcke gestattet einen buchst√§blich nahtlosen und fliessenden √úbergang zu den Vorlandbereichen auf beiden Seiten. Die Br√ľckenfassaden verschmelzen mit den Festlandfassaden, welche f√ľr die unterschiedlichen Drittnutzungen ideale Unterteilungen erlauben. Der im Ingenieurjargon immer wieder auftauchende Begriff ‚ÄúVorland‚ÄĚ trifft den Charakter dieser st√§dtebaulich etwas vernachl√§ssigten, vagen Orte eigentlich recht gut. Meist werden diese Zonen zum Tummelfeld der Architekten, w√§hrend die Ingenieure sich um die Br√ľcke k√ľmmern. Im vorliegenden Projekt ist die Br√ľckenkonzeption von den Ingenieuren und den Architekten gemeinsam erarbeitet worden, so dass sich die Gestaltung des Vorlandbereichs wie von selbst, als Teil der Gesamtkonzeption, ergab. Die Gestaltung im ‚ÄúVorland‚ÄĚ auf beiden Rheinseiten ist ein Versuch, die jetzige, mit zahllosen Rabatten, Hecken und Abschrankungen verunkl√§rte Situation zu entr√ľmpeln und vereinfachen, wo es geht. Zus√§tzliche Baumreihen auf der Parkseite in Kleinbasel und bei der √úberbauung St. Johann in Grossbasel werden die r√§umlichen und akustischen Verh√§ltnisse an diesen Orten verbessern.

zur Tragkonstruktion: Orthogonal- Diagonal

Auf den ersten Blick scheint es sich beim Br√ľckenbalken um eine Virendell-Konstruktion zu handeln, da die Orthogonalit√§t der Fenster√∂ffnungen gegen√ľber den diagonalen Zugst√§ben st√§rker in Erscheinung tritt. In Wirklichkeit ist die Tragkonstruktion jedoch eine verschobene Fachwerkkonstruktion mit zwei Diagonalen in jedem Fensterfeld. Durch diese Massnahme des Verschiebens werden die vertikalen und die diagonalen Kr√§fte verselbst√§ndigt zum Ausdruck gebracht, w√§hrenddem sie bei einem herk√∂mmlichen Fachwerk eine optische Einheit bilden.

Die vertikale Ordnung tritt deshalb als eine eigenst√§ndige orthogonale Kraft in Erscheinung und bezieht sich auf die Architektur der Stadt, w√§hrenddem die diagonalen St√§be, die √úberwindung der grossen Spannweiten zwischen den Br√ľckenpfeilern, die eigentlichen Zugkr√§fte der Br√ľcke zum Ausdruck bringen.

zum Baumaterial

Die Br√ľcke wird aus Stahl und Stahlbeton gebaut. Der Stahlbeton ist aufgrund der grossen Belastungsanforderungen sehr stark armiert, d.h. er ist beinahe selbst wie gegossener, massiver Stahl. Ein schwarz-grauer, metallisch mattgl√§nzender Schutzanstrich wird die Betonoberfl√§che nicht nur vor den Witterungseinfl√ľssen sch√ľtzen, sondern diese innere Materialverwandschaft auch Aussen zum Ausdruck bringen.

Herzog & de Meuron, 1995

123_MO_9401_501
123_MO_9401_501

Team

Facts

Client
Kanton Basel Stadt
Planning
Structural Engineering: Weiss, Guillod, Gisi, Ingenieure, Basel, Switzerland