Herzog & de Meuron
Study
1994

Project Description available in German

Das Neue Geviert: eine einprägsame Grundfigur

Die vorgeschlagene Grundfigur f√ľr die st√§dtebauliche Neuordnung des Areals Frankfurt Reuterweg bildet ein grosses M. Was wie eine Reminiszenz an die w√§hrend Jahrzenten dort ans√§ssige Metallgesellschaft erscheint, ist in Wirklichkeit eine st√§dtebauliche Form, welche sich pr√§zis auf die verschiedenen, hier angrenzenden Qartierstrukturen ausrichtet: Die keilf√∂rmige Bebauung im Inneren des Gevierts tritt als sehr markante, einpr√§gsame Figur in Erscheinung, welche von der Oper her leicht erkennbar ist und dadurch als optischer Blickfang wirkt. Diese wahrnehmungsm√§ssige Klarheit erm√∂glicht eine ebenso klar vert√§ndliche, stadtr√§umliche Orientierung innerhalb und ausserhalb des neuen Gevierts. Die Keilfigur gliedert das Geviert auf einfache und √ľbersichtliche Art und Weise in zwei V-f√∂rmige H√∂fe, von denen aus s√§mtliche Geb√§ude der Anlage erschlossen werden k√∂nnen. Somit bietet sich eine interessante st√§dtebauliche und stadtr√§umliche L√∂sung am Opernplatz an, welche den kommerziellen Vorteil bietet, dass jede zuk√ľnftige Gesch√§ftsadresse von diesem prestigetr√§chtigen Ort mit der Oper her definiert werden kann.

Die Städtebauliche Beziehung des Neuen Gevierts zur Oper, zum Rothschildpark/Reuterweg, zum Gärtnerweg und zur Leerbachstrasse.

Auf der Seite des Opernplatzes ist die innere Gestalt des neuen Gevierts erkennbar; die platzseitige Bebauung bildet aber auch einen r√§umlichen Abschluss, wie er durch die historische Bebauung (z.B. durch das gesch√ľtzte Geb√§ude‚Ķ.) bereits vorgegeben ist. Diese klare r√§umliche Fassung ist ein wichtiger Beitrag f√ľr die Lesbarkeit des auf der mittelalterlichen Wallanlage angelegten, zackenf√∂rmigen Gr√ľnraums.

Auf der gegen√ľberliegenden Seite des Gevierts entsteht zum G√§rtnerweg hin ebenfalls ein sehr interessanter urbaner Raum, eine nach Innen gerichtete Keilform, die als bepflanzter Hof ins Gevierts hinein f√ľhrt und zum Opernplatz hin verbindet. Die St. Ignatius Kirche am G√§rtnerweg, ein Bau von Gottfried B√∂hm aus den 60er Jahren und die Oper, ein Bau aus dem sp√§ten 19.Jh., treten so unvermittelt in einen stadtr√§umlichen Kontakt, welcher das neue Geviert zus√§tzlich aufwertet. Die nach innen gerichtete Keilform ist zudem idealer Ort f√ľr die Anlieferung der gesamten Anlage.

Entlang des Reuterwegs und der Leerbachstrasse ist eine einfache Blockrandbebauung mit unterschiedlicher H√∂henentwicklung vorgesehen, so dass √∂rtlich auf die unterschiedliche Nachbarschaft R√ľcksicht genommen werden kann. Die r√§umliche Offenheit auf der Seite des Rothschildparks erm√∂glicht gewiss eine dichtere und h√∂here Bebauung als auf der Seite der Leerbachstrasse mit ihrem ausgepr√§gten Wohnstrassencharakter. (Hier b√∂te sich am ehesten die Gelegenheit, einen Teil der zuk√ľnftigen Bebauung als Wohnraum zu nutzen).

Die Höhenentwicklung der Gebäude und die Möglichkeiten einer etappenweise Realisierung

Die vorgeschlagene neue Grundfigur f√ľr das Geviert ist so angelegt, dass auch eine etappenweise Realisierung m√∂glich ist, bei der die interessanteren und erst vor wenigen Jahren fertiggestellten Geb√§ude, welche am Rande des Gevierts liegen, in einer ersten Bauphase gehalten werden k√∂nnen.

Eine solche etappenweise Bebauung ist aus st√§dtebaulicher Sicht unproblematisch, weil die angestrebte, M-f√∂rmige Grundfigur mit der pr√§gnanten Keilform in der Mitte des Gevierts rasch realisiert werden kann, auch wenn dabei einzelne Geb√§ude am Rand des Gevierts bestehen bleiben. Die st√§dtebaulichen und √∂konomischen Vorteile der √ľbersichtlichen Orientierung, der Verdichtung und der optischen Aufwertung am Opernplatz k√∂nnen schon in einer ersten Bauphase erreicht werden.

Die H√∂he der vorgeschlagenen Bebauung soll ‚Äď wie schon die Grundfigur ‚Äď auf die benachbarten Geb√§udetypen abgestimmt werden. Dabei ist eine Abstufung und Durchmischung verschiedener Geb√§udeh√∂hen vorgesehen, die sich entweder auf die Standardh√∂he der Frankfurter Blockrandbebauung oder auf die zahlreichen, in der baulichen Nachbarschaft verstreuten h√∂heren Geb√§ude beziehen.

Das Einstreuen dieser h√∂heren Geb√§ude (also keine turmartigen Hochh√§user!) ist aus st√§dtebaulicher Sicht interessant, weil dadurch eine Beziehung zu den umliegenden h√∂heren Bauten entsteht ‚Äď wie z.B. die Geb√§ude am Rothschildpark ‚Äď und die Knotenpunkte der neuen Grundfigur des Gevierts stadtr√§umlich in Erscheinung treten.
Herzog & de Meuron, 1994

118_MO_9401_501_FIN
118_MO_9401_501_FIN

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Client
Unternehmensgruppe Roland Ernst im Auftrag der Metallgesellschaft, Frankfurt, Germany