543 HORTUS

543
Hortus
Allschwil, Switzerland
2020 -

Auf dem ehemaligen Gewerbegebiet westlich des Hegenheimermattwegs in Allschwil ist das BaseLink entstanden, ein globaler Standort für innovative Unternehmen aus dem Life-Science-Bereich. Das nachhaltig konzipierte Bürogebäude HORTUS liegt auf dem Areal ehemaliger Schrebergärten und schliesst an den bestehenden Technologie-Park an. Umgeben von Sportanlagen, einem Naherholungsgebiet und einem Wohnviertel schafft der Bau eine moderne, kommunikative und flexible Arbeitswelt für eine neue Generation von Technologiefirmen mit ökologischem Bewusstsein, die sich hier zukünftig ansiedeln sollen.

 

Grüne Oase im Atrium

Das Gebäude erschliesst sich über einen breiten Durchgang in das Atrium, dem grünen Herz des Entwurfs. Über einen Laubengang hin öffnen sich hierzu im Erdgeschoss öffentlich nutzbare Räume und man erreicht so die ringförmig angelegten ca. 10 000m2 Büronutzflächen in den Obergeschossen. Regenwasser wird für das Biotop im Atrium verwendet und es entsteht eine grüne Oase mit Mikroklima, die Lebensraum für Pflanzen und Tiere schafft. Dank seiner hohen Aufenthaltsqualität dient das Atrium zusätzlich als Erholungsort für Mitarbeiter und ein Wintergarten lädt im hinteren Bereich zum Arbeiten ein. Das Erdgeschoss ist ein belebter Ort, der zugänglich ist für alle. Die vertikal berankten Innenhoffassaden filtern CO2 und andere Schadstoffe und sorgen so für ein angenehmes Raumklima und Wohlbefinden.

 

Flexible Nutzung

Der Entwurf greift das Thema des innovativen und produktiven Gedankenaustauschs auf und bezieht seine offenen Grundrisse aus Ideen zu modernen Büroarbeitsplätzen, die ein grosses Mass an Flexibilität und unterschiedliche Nutzungsweise ermöglichen, zugleich werden einige Bereiche von den Nutzern geteilt. Jedes Stockwerk verfügt über gemeinschaftlich nutzbare Aufenthaltsräume für Mitarbeiter. Das Erdgeschoss wird mit gastronomischem Angebot öffentlich genutzt und nach Süden öffnet sich das Gebäude mit einer Terrasse zu einem vorgelagerten Park.

 

Material-Kreisläufe

HORTUS steht für House of Research, Technology, Utopia and Sustainability und setzt den Fokus auf innovative und ambitionierte Nachhaltigkeitskonzepte. So unterlag der Entwurfsprozess einer ausgeprägt analytisch-akademischen Materialanalyse, bei der Baumaterialien auf ihre ökologischen und physikalischen Eigenschaften geprüft und verglichen wurden. Ein Hauptkriterium dabei war, dass der Ursprung möglichst natürlich und aus nachwachsenden Rohstoffen sein sollte. Ganz im Sinne des Cradle-To-Cradle-Prinzips sollen alle verwendeten Bauteile katalogisiert und im ökologischen Kreislaufsystem für eine Wiederverwertung zur Verfügung stehen.

 

Eine reduzierte Palette aus erneuerbaren Materialien wie Holz, Lehm und Zellulose, so wie Glas für Fenster und Solarpaneele unterstreichen den ökologischen Grundgedanken des mehrgeschossigen Holzrahmenbaus. Das Raster ist modular und Holzverbindungen werden gesteckt, um auf Metallverbindungen zu verzichten und am Ende der Nutzungszeit wieder leicht demontierbar und wiederverwertbar zu sein. Die Räume sind natürlich belüftet und Stampflehm an Decken und Brüstungen sorgt für ein behagliches und gesundes Raumklima. Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit, zudem speichert er überschüssige Wärme, die im Sommer über öffenbare Fenster in der Nacht wieder nach aussen abgegeben werden.

 

Saubere Energie und Minimierung des CO2-Fussabdrucks

Der Entwurf zielt auf eine drastische Minimierung des CO2-Fussabdrucks ab und setzt auf ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept. Dabei sollen Empfehlungen für ökologisches Bauen, wie z.B. der SIA 2040, noch weit übertroffen werden. Die kompakte Gebäudeform reduziert Energieverluste und auf ein Kellergeschoss aus Beton wird verzichtet, wodurch der Aushub minimal bleibt und der Bau geradezu über der Landschaft schwebt. Die Luft unter dem Gebäude ist im Sommer kühl und im Winter warm. Dieser energetische Vorteil wird gemeinsam mit Geothermie, die das Haus mit Energie zum Heizen und Kühlen versorgt, zur Temperaturregulierung im Gebäude genutzt. Eine Photovoltaik-Fläche von ca. 5000m2 auf dem Dach und entlang der externen Brüstungen sorgt für eine unabhängige Versorgung mit erneuerbarer und ressourcenschonender Solarenergie und schafft gleichzeitig so viel Überschuss, dass die graue Energie, die für den Bau des Gebäudes benötigt wurde, innerhalb von 30 Jahren wieder auf null abgebaut wird. Nach einer Generation ist HORTUS somit ein energiepositives Gebäude.

 

Nachhaltigkeit bei Herzog & de Meuron

Herzog & de Meuron versteht Nachhaltigkeit als wichtiges Qualitätsmerkmal und fundamentalen Wert des Unternehmens. Nachhaltigkeit soll nicht nur gebaut, sondern auch gelebt werden, mit dem Fokus auf einen ganzheitlichen Ansatz – weg von allumfassenden Statements hin zum Handeln. Bei der Entwicklung und Realisierung von Projekten ist das Ziel eine Balance der ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Bedingungen zu schaffen, die den Projekten Relevanz verleiht.

 

Der Gebäudesektor ist laut Studien von IEA (Internationale Energieagentur) und WEF (World Economic Forum) verantwortlich für den Verbrauch von ca. 40% aller Rohstoffe und Energie, und ist gleichzeitig einer der Hauptverursacher des weltweiten CO2-Ausstosses. Als Architekten sehen wir es als unsere Aufgabe an dieser Schnittstelle Einfluss zu nehmen. Die Frage danach, wie man ein klimaneutrales Gebäude plant ist eine architektonische Herausforderung, die nicht nur den Einsatz ökologischer Bauprinzipien erfordert, sondern als tiefgehender fortwährender Prozess betrachtet werden soll, bei dem es darum geht für jede individuelle Situation den bestmöglichen Ansatz zu finden. Dies erfordert ein hohes Mass an Innovation und lösungsorientiertem Design, massgeschneidert für den jeweiligen städtebaulichen, geographischen und kulturellen Kontext.

 

Am Beispiel von HORTUS soll gezeigt werden, dass Zukunftsarchitektur zugleich ästhetisch, gesund und nützlich sein soll für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft und als lokale Energie- und Rohstoffquelle agieren kann.
Herzog & de Meuron, 2022

FACTS

Herzog & de Meuron Team:

Partners: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Stefan Marbach (Partner in Charge)
Project Team: Alexander Franz (Project Director), Giulia Schnyder (Project Architect)
Michael Bär (Associate), Viktoria Bruhs, Valérie Bührle, Zuzana Chupac, David Schneider
 

Client:
Senn Resources AG, St. Gallen, Switzerland


Planning:
Project Architect: Herzog & de Meuron, Basel, Switzerland
Structural Engineering: ZPF Ingenieure AG, Basel, Switzerland

Consulting:

Environmental Engineering: Transsolar, Stuttgart, Germany
Building Physics Consulting: Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen, Switzerland
Facade Consulting: Christoph Etter Fassadenplanungen, Basel, Switzerland
Fire Protection Consulting: Aegerter & Bosshardt AG, Basel, Switzerland
Acoustic Consulting: Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen, Switzerland
Photovoltaics consultant: Planeco GmbH, Münchenstein, Switzerland

 

Building Data:
Gross floor area (GFA):  152'309 sqft / 14'150 sqm
GFA above ground: 152'309 sqft / 14'150 sqm
Number of levels: 5
Footprint: 32'205 sqft / 2'992 sqm
Length: 209 ft / 64 m
Width: 170 ft / 52 m
Height: 75 ft / 23 m
Gross volume (GV): 2'231'889 cbft / 63'200 sqm
Facade surface: 69'965 sqft / 6'500 sqm
 

SELECTED BIBLIOGRAPHY

Palle Petersen: Mit Herzog & de Meuron gegen die Klimakrise. Hochparterre, March 14, 2022.

> www.hochparterre.ch