522 HOTEL HERMITAGE, LUZERN

522
Hotel Hermitage, Luzern
Lucerne, Switzerland
Project 2019—

Gestaltungsplan
Die Eigentümerschaft des Hotel Hermitage in Luzern beabsichtigt, auf dem Areal Neu- und Umbauten zu realisieren, denen der Wunsch nach einer höheren Ausnutzung und massvollen Verdichtung des bestehenden Areals zu Grunde liegt. Diese Anliegen werden in der vorliegenden Planung aufgenommen und qualitätsvoll sowie standortgerecht umgesetzt.


Das Hotel Hermitage liegt am Ende der Luzerner Bucht, eingebettet in eine spektakuläre Landschaft direkt am Vierwaldstätter See. Die Lage am See und der Bezug zur Stadt machen diesen Ort einzigartig. Das vorliegende Konzept ist deshalb in erster Linie ein Vorschlag für die Schaffung eines öffentlichen, grünen Raumes am Übergang zwischen Stadt und Land und der Stärkung der Verbindung zwischen See und Strasse.


Das Hermitage Areal besteht aus zwei Teilen; dem Hauptstandort mit dem Hotel Hermitage am Ufer des Sees und dem heutigen Bellevue an der Seeburgstrasse. Der Hauptstandort am See ist geprägt von unterschiedlichen Gebäudeteilen aus verschiedenen Epochen und wirkt in seiner Erscheinung sehr heterogen. Es stehen historisch wertvolle, kleinmassstäbliche Strukturen wie Scheune, Badeanlage und Bootshaus in direkter Nachbarschaft zu den funktional geprägten Hotelbauten. Das Hotel Hermitage soll erneuert, verdichtet und zu einem harmonischen, prägenden Bauwerk zusammengefasst werden, das sich auf die Tradition der grossen Grandhotels am Vierwaldstätter See berufen kann und seiner einzigartigen Lage gerecht wird.


Eine neue, grosse und öffentliche Eingangshalle an der Stelle der heutigen Terrasse verbindet die beiden bestehenden Bauten in der Mitte. Diese vereint die derzeit getrennten Gebäude zu einem Ensemble mit zwei Flügeln. Das gesamte Ensemble wird um je ein Voll-Geschoss und ein Attika-Geschoss erweitert. Für die zusätzlichen Ebenen ist eine leichte Holzkonstruktion angedacht. Zusätzlich werden die Fassaden der bestehenden Gebäude darunter mit einer filigranen Holzstruktur überzogen und seeseitig durch das Hinzufügen einer Schicht aus Holzbalkonen aufgewertet und optisch verbunden. Die hohe, gewölbte Eingangshalle ermöglicht Ausblicke von der Strasse auf den See und den Pilatus. Sie schafft nicht nur einen starken visuellen Bezug zur Landschaft, sondern darüber hinaus auch eine direkte Verbindung von der Seeburgstraße zum See und dem öffentlichen Bootsanleger.


Der Entscheid, eine höhere Ausnutzung des Areals mittels Erweiterung und Aufstockung des Bestandes zu erzielen («Bauen auf Gebautem»), wirkt der zusätzlichen Versiegelung von Bodenflächen entgegen und bietet stattdessen Raum für qualitätvolle Freiflächen. Eine direkte Verbindung zwischen Strasse, Wanderweg und See entsteht durch die Überdeckelung und Begrünung des bestehenden Parkfeldes und schafft so zusätzliche Möglichkeiten für halb-öffentliche Parkflächen. Die zusätzliche Begrünung der Seeburgstrasse als Fortsetzung der angrenzenden Grünzüge hilft, das Areal in der Landschaft zu verankern. Die Bepflanzung knüpft an die vorherrschenden Typologien an und gliedert den Strassenraum in den bestehenden landschaftlichen Kontext ein.


Eine neue Wohnüberbauung mit Einstellhalle an der Stelle des bestehenden Hotel Bellevue auf der anderen Strassenseite bildet die zweite Erweiterung. Das schlanke Holzgebäude steht von der Strasse zurückversetzt am Hügel, eingebettet in den neu geschaffenen Grünzug. Wie beim Hotel ist das Gebäude mit hölzernen Loggien versehen, die auf den See ausgerichtet sind. Die angrenzende Aufweitung des Strassenraumes mit dem Vorbereich der neuen Wohnüberbauung schafft ein räumliches Gegenüber zur Vorfahrt des Hotels und der grossen Eingangshalle, so dass beide Bauten in Bezug zueinander treten und einen belebten Strassenraum am Eingang / Ausgang der Stadt bilden.

 

Es entsteht ein architektonisches und landschaftliches Gesamtkonzept, das in der Einzigartigkeit des Ortes wurzelt. An dem Übergang von Stadt und Land liegend, ist das neue Hotelensemble inspiriert von der Typologie der Luzerner Grandhotels, bezieht sich aber gleichzeitig auf die Holzbauweise der auf dem Grundstück befindlichen historischen Bauten, sowie der umliegenden ländlichen Architekturen der Innerschweiz. Es integriert diese in einem einzigartigem Grünraum zu einem harmonischen Ganzen.

 

Renovierung
Die Realisierung des Richtprojektes wird sich über viele Jahre erstrecken und in Etappen erfolgen. In einem ersten Schritt wurden die Hotelzimmer und der Eingangsbereich des Hauptgebäudes renoviert. Der Hauptzugang zum Hotel wird im Richtprojekt an veränderter Stelle sein. Der Eingangsbereich ist daher ein temporärer Umbau, der mit räumlich eng definierten Eingriffen als «Pop-up» konzipiert wurde. Die Korridore zu den Zimmern werden erst in einer späteren Phase umgestaltet und erfahren daher heute lediglich minimale Eingriffe. Die 20 Hotelzimmer hingegen wurden komplett überarbeitet und bleiben auch in den nächsten Phasen bestehen. Diese markieren bereits die ersten Massnahmen, die im Rahmen des Richtprojektes umgesetzt wurden.


Pop-up Wohnzimmer
Der Eingangsbereich, die Lobby und die Bar werden als temporäre Intervention in den bestehenden Raum «eingeschoben». Alle vorherigen Einbauten wurden entfernt, einfache Holztäfelungen und Vorhänge unterstützen den Charakter einer Installation auf Zeit. Insbesondere die Vorhänge schaffen bewusste Übergänge und trennen Eingangsbereich und Lobby von jenen Bereichen ab, die nicht überarbeitet wurden. Sie schaffen einen neuen Raum, umhüllen und inszenieren ihn, und heben ihn inmitten der bestehenden Raumfolgen hervor.
Unmittelbar nach Betreten des Hauses öffnet sich der Raum zur Landschaft hin, ankommende Gäste werden mit Blick auf den See empfangen. Einem grossen Wohnzimmer ähnlich, bietet die angrenzende Lobby Sitzmöglichkeiten mit öffentlicheren und intimeren Bereichen. Eine lange Bar bildet das Rückgrat der Lobby und bildet den Rahmen für unterschiedliche Aktivitäten über den Tag. Die starke Farbigkeit der roten Vorhänge, der Möbelbezüge und der Bar verleihen dem Wohnzimmer etwas theatralisches. Es wird zur «Bühne», auf der das Naturschauspiel vor dem Fenster inszeniert wird. Präzise gesetzte Spiegel vervielfachen die Landschaft und lassen sie an jedem Ort erlebbar werden. Eichenparkett, kombiniert mit hochflorigen Leinenteppichen schaffen eine behagliche Wärme.


Hotelzimmer
Die bestehende Struktur so effizient wie möglich zu transformieren, ohne das Gebäude strukturell zu verändern, war ein wesentliches Anliegen bei der Renovierung der Zimmer. Ihre Abmessung, die prinzipielle Ausrichtung und die Lage der Bäder blieben dabei erhalten.


Die Zimmer sind konzipiert wie kleine Suiten, mit klar definierten Zonen für Wohnbereich, Schlafbereich, Bad und Balkon. Die räumliche Optimierung des Badezimmers und die abgerundete Wandecke ermöglichen bereits beim Betreten des Zimmers einen Blick in die Natur. Der Raum öffnet sich durch eine grosszügige, weich gepolsterte Sitzecke mit integriertem Bettsofa, Garderobe und Kleiderschrank. Das satte Grün im Wohnbereich bildet einen starken Konterpart zu den hellen Tönen des Schlafbereiches und wirkt wie eine «Camera Obscura». Die dunkelgrüne Stoffbespannung der Wände findet in den Vorhängen des Schlafbereiches ihre Entsprechung. Der wichtigste Ort im Zimmer, das Bett, wird neu im vorderen Bereich mit Blick auf den Pilatus und den See platziert. Ähnlich einem Kokon können Vorhänge um das Bett gezogen werden oder zur Landschaft hin geöffnet bleiben. Der leichte Glanz der Putzoberflächen bekommt durch das Streiflicht und die wechselnden Himmelsfarben eine besondere Lebendigkeit. Sorgsam platzierte Spiegel machen die Landschaft noch gegenwärtiger. Das Bad ist direkt mit dem Zimmer verbunden und gleichzeitig mit dem Aussenraum. Auch in der Dusche stehend, sieht man die Berge und den See. Ein leicht glänzender Plattenbelag, dessen langgestreckte Form und heller Farbton die Rundung der Wand weich nachzeichnen, reflektiert sanft die Landschaft. Die Elemente des Badezimmers wie Waschtischunterbau, Spiegel und Tablare sind als Möbel konzipiert und in Eichenholz ausformuliert.

 

Alle Materialien beziehen sich explizit auf den Ort und die Natur. Die weissen Textilien von Vorhang, Bettüberwurf und Teppich sorgen gemeinsam mit dem Eichenholzparkett und den Kaktusteppichen für eine ruhige Grundstimmung. Hierzu trägt auch die aufeinander abgestimmte, weiche Formensprache bei, die sich in der Raumgeometrie und den Einbauten bis hin zu Spiegel und Türknauf manifestiert und auch im Bad ihre Entsprechung findet. Die harmonischen Formen der Eichenholzmöbel schaffen eine Behaglichkeit des Vertrauten, ein Zuhause auf Zeit. Eine natürliche Farbigkeit und handwerkliche Techniken sind Ausdruck von Luxus und Wertschätzung. Der gesamte Raum wirkt umhüllend und leicht zugleich – für Sommer und Winter, für jede Jahreszeit

Herzog & de Meuron, 2022

FACTS

Herzog & de Meuron Project Team:
Partners: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Simon Demeuse (Partner in Charge)
Project Team: Claudia Winkelmann (Project Manager), Daniel Schürer (Project Architect), Silja Ebert (Associate Interiors)
Michael Bär (Associate), Casper Dam, Davina Dixon, Carla Ferrando, Erik Fichter, Victoria Kravchenko, Alessandro Musolino, Albert Palazón, Johannes Pfeifle, Nicola Ragazzini, Ibrahim Saad, Roel Schiffers, Aleksandar Slavikovic

 

Client:
Hotel Hermitage Luzern AG, Lucerne, Switzerland
Client Representative: Hotel Hermitage Luzern AG, Patrick Döös

 

Planning
Architect and Interior Designer: Herzog & de Meuron, Basel, Switzerland
Executive Architect: S+B Baumanagement AG, Zug, Switzerland
Project & Construction Management: S+B Baumanagement AG, Zug, Switzerland
Structural Engineer: Wismer & Partner AG, Rotkreuz, Switzerland
HVAC Engineering: Aicher, De Martin, Zweng AG, Lucerne, Switzerland
Electrical Engineering: Hefti, Hess, Martignoni Zug AG, Zug, Switzerland

 

Consulting
Fire Safety Consultant: BSIM Brandschutz, Urdorf, Switzerland

 

Building data:

Site Area: 202'221 sqft / 18'787 sqm
Gross floor area (GFA):  7'480 sqft / 695 sqm
GFA above ground: 7'480 sqft / 695 sqm

 

Detailed data

Gestaltungsplan:
for the Hotel Hermitage site, site area: 18'345 sqm

 

Richtprojekt:
Existing buildings (Hotel Hermitage, Guesthouse) + new entrance hall:  approx. 7'235 sqm + 2'500 sqm additional residential area (extension of existing
buildings).
New residential building at current Hotel Bellevue site: approx. 3'475 sqm residential area + 875 sqm parking


Renovation:
Redesign of 20 existing hotel rooms as well as reception area / bar / lobby in the main Hotel Hermitage building: approx. 695 sqm