129 DRESDNER BANK PARISERPLATZ

129
Dresdner Bank Pariserplatz
Berlin, Germany
Competition 1995

Der Platz
Seit seiner Entstehung als barocker Stadttorplatz ist das "Quarré" des Pariser Platzes eine Konstante im Berliner Stadtgefüge. Es ist ein überzeugendes Beispiel für die Permanenz städtischer Strukturen. Diese Dauerhaftigkeit macht Städtebau zu einem historischen Dokument. Das "Quarré" ist ein heute noch lesbarer Auszug Berliner Geschichte.

Das barocke "Quarré" hat die klassizistische Umdeutung durch den Bau des Brandenburger Tores, die zu höherer Ausnutzung drängende wilhelminische Zeit und die beinahe totale Zerstörung der begrenzenden Bebauung durch den Krieg überdauert.

Der Platz ist also da, er braucht nicht rekonstruiert zu werden. Allerdings fehlt ihm das städtische Gefüge, das ihn ausgezeichnet hat und das ihm auch heute eine besondere Stellung einräumen wird. Als Stadttorplatz war das "Quarré" eine letzte städtische Inszenierung am Übergang zur Landschaft. Dadurch, dass der Tiergarten als Park erhalten geblieben ist, kann man beim Durchschreiten des Brandenburger Tores erleben was sonst nicht mehr möglich ist: Das Hinaustreten vor die Stadt in die Landschaft hinein.

Die Platzbebauung
Der vorliegende B-Plan beschreibt die Idee eines Ortes. Er ist der Entwurf für die zukünftige Platzgestalt. Die Beschreibung ist einseitig auf den Platz bezogen. Der Platzgrundriss, die Volumen und deren Oberflächen werden beschrieben. Jedoch nicht Fassaden, sondern Baukörper begrenzen den Platz. Baukörper, die in ihrer Dichte und Struktur nicht vergleichbar sind mit jenen die einst den Platz säumten.

Diese Baukörper verlangen nach Ihrem je spezifischen Ausdruck. Es ist Aufgabe der Architektur, die Erscheinung der einzelnen Gebäude aus ihrer innerern Logik heraus und in Bezugnahme zum Ort zu definieren. Die Fassade ist Ort der Verschränkung von inneren und äusseren Bedingungen.

Die Bebauung des Platzes kann nicht rekonstruiert werden. Die baulichen Bedingungen, der einst gültige Gestaltungskanon und die Nutzungen sind heute völlig verschieden oder bestehen nicht mehr.

Baukörper mit Innenhöfen
Die Tiefe der Parzellen, der wirtschaftliche Druck zu hoher Ausnutzung und die gleichzeitige Beschränkung der möglichen Bauvolumen lassen die einst dominierende Typologie des Stadtpalais mit rückwärtigen Gärten nicht mehr zu. Diese Typologie wird ersetzt durch Baukörper mit Innenhöfen. Gemeinsame Höfe mit den benachbarten Parzellen sind gesetzlich nicht zugelassen (Nord- und Ostgrenze) oder unwirtschaftlich, da die gesamte Abstandsfläche auf der eigenen Parzelle zu realisieren ist (Westgrenze).

Zwei Innenhöfe
Die für die natürliche Belichtung und Belüftung präzise in den Baukörper eingeschnittenen Höfe bilden wichtige innenliegende Bezugspunkte. Sie strukturieren den Baukörper, sind Elemente der Orientierung und prägen die Ordnung der Nutzung.

Die Höfe sind von einer durchgehenden Glashaut umhüllt und bilden so eigentliche Lichtkörper. In ihrer Figur identisch, erhalten sie über die unterschiedliche Begrünung, hier üppiges, feuchtes, geometrisch geformtes Grün, dort zartes, trockenes, organisch wachsendes Grün, eine unverkennbare Identität.
Dabei ist es wichtig, dass sie sich die Höfe in die Tiefe der Parzelle entwickeln. Zusammen mit der querliegenden Empfangshalle lassen sie den Besucher beim Eintreten das Gebäude in seiner ganzen Dimension durchmessen. Parallel zur Platzfassade angeordnete Höfe würden eine ungewünschte und der Nutzung unangepasste Hierarchisierung erzeugen. Zusätzlich gestaltet sich der sommerliche Wärmeschutz bei den nord-/südorientierten Höfen wesentlich leichter. Auf eine zusätzliche mechanische Belüftung kann verzichtet werden.

Die Emfpangshalle ist zugleich Ort des Verweilens und der Bewegung. Von hier aus verteilen sich die Besucherströme. Über die beiden Haupterschliessungskerne sind die verschiedenen Nutzungseinheiten zu erreichen, die hauptsächlich je einem Hof zugeordnet sind. So erkennt der Besucher jederzeit seinen Standort.
Die Empfangshalle kann mittels einer mobilen Trennwand mit dem Veranstaltungsraum zu einer Raumeinheit zusammengefasst werden. Die Empfangshalle ist somit eine ideale Erweiterung dieses Bereiches.

Alle Gemeinschaftsbereiche sind nach Möglichkeit auf den Pariser Platz orientiert (Veranstaltungsraum, Kantine, Clubraum etc.) So auch die Sitzungszimmer die auf die verschiedenen Geschosse verteilt sind. Zu ihnen gehört jeweils ein Foyer, das die Innenhöfe räumlich bis zum Pariser Platz ergänzt.

Die Platzfassade ist aus Stein. Schnörkellos begrenzt sie den Platzraum. Die Fassadenfläche ist den Vorgaben entsprechend klassisch gegliedert. Im Sockelbereich wird der Marmor geschliffen, so dass seine Maserierung sichtbar wird. Im Mittelbereich bis zum Dachrand werden die Marmorplatten sägerauh belassen oder sandgestrahlt. Die Oberfläche erscheint in einem dumpfen, grauen Weiss. Das Staffelgeschoss schliesslich wird durchgehend verglast.

Die Transluzenz der Marmorplatten wird genutzt, um besondere Bereiche wie z.B. den Veranstaltungsraum, die Kantine oder die Foyers tagsüber mit mehr Tageslicht zu versorgen, welches grossflächig durch die Fassade ins Gebädeinnere eingelassen wird.

Umgekehrt leuchten nachts diese besonderen Bereiche nach draussen und werden auf der steinernen Fassadenfläche des Gebäudes ablesbar.

Die Fassade ist wie eine traditionelle, steinerne, also abschliessende Fläche mit den darin eingeschnittenen, verordneten Fensteröffnungen ausgebildet; gleichzeitig wirkt sie aber auch als Lichtmembran, welche das Gebäude als vielschichtigen Körper und nicht bloss als platzbegrenzende Fläche erkennbar werden lässt.
Herzog & de Meuron, 1995

FACTS

Herzog & de Meuron Team:
Partners: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Harry Gugger
Project Team: Philippe Fürstenberger

Client:
Merkur Grundstückgesellschaft mbH