118 URBAN DESIGN FOR METALLGESELLSCHAFT REUTERWEG

118
Urban Design for the site of the Metallgesellschaft Reuterweg
Frankfurt a. M., Germany
Study 1994

Das Neue Geviert: eine einprägsame Grundfigur
Die vorgeschlagene Grundfigur für die städtebauliche Neuordnung des Areals Frankfurt Reuterweg bildet ein grosses M. Was wie eine Reminiszenz an die während Jahrzenten dort ansässige Metallgesellschaft erscheint, ist in Wirklichkeit eine städtebauliche Form, welche sich präzis auf die verschiedenen, hier angrenzenden Qartierstrukturen ausrichtet: Die keilförmige Bebauung im Inneren des Gevierts tritt als sehr markante, einprägsame Figur in Erscheinung, welche von der Oper her leicht erkennbar ist und dadurch als optischer Blickfang wirkt. Diese wahrnehmungsmässige Klarheit ermöglicht eine ebenso klar vertändliche, stadträumliche Orientierung innerhalb und ausserhalb des neuen Gevierts. Die Keilfigur gliedert das Geviert auf einfache und übersichtliche Art und Weise in zwei V-förmige Höfe, von denen aus sämtliche Gebäude der Anlage erschlossen werden können. Somit bietet sich eine interessante städtebauliche und stadträumliche Lösung am Opernplatz an, welche den kommerziellen Vorteil bietet, dass jede zukünftige Geschäftsadresse von diesem prestigeträchtigen Ort mit der Oper her definiert werden kann.

Die Städtebauliche Beziehung des Neuen Gevierts zur Oper, zum Rothschildpark/Reuterweg, zum Gärtnerweg und zur Leerbachstrasse
Auf der Seite des Opernplatzes ist die innere Gestalt des neuen Gevierts erkennbar; die platzseitige Bebauung bildet aber auch einen räumlichen Abschluss, wie er durch die historische Bebauung (z.B. durch das geschützte Gebäude....) bereits vorgegeben ist. Diese klare räumliche Fassung ist ein wichtiger Beitrag für die Lesbarkeit des auf der mittelalterlichen Wallanlage angelegten, zackenförmigen Grünraums.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gevierts entsteht zum Gärtnerweg hin ebenfalls ein sehr interessanter urbaner Raum, eine nach Innen gerichtete Keilform, die als bepflanzter Hof ins Gevierts hinein führt und zum Opernplatz hin verbindet. Die St. Ignatius Kirche am Gärtnerweg, ein Bau von Gottfried Böhm aus den 60er Jahren und die Oper, ein Bau aus dem späten 19.Jh., treten so unvermittelt in einen stadträumlichen Kontakt, welcher das neue Geviert zusätzlich aufwertet. Die nach innen gerichtete Keilform ist zudem idealer Ort für die Anlieferung der gesamten Anlage.

Entlang des Reuterwegs und der Leerbachstrasse ist eine einfache Blockrandbebauung mit unterschiedlicher Höhenentwicklung vorgesehen, so dass örtlich auf die unterschiedliche Nachbarschaft Rücksicht genommen werden kann. Die räumliche Offenheit auf der Seite des Rothschildparks ermöglicht gewiss eine dichtere und höhere Bebauung als auf der Seite der Leerbachstrasse mit ihrem ausgeprägten Wohnstrassencharakter. (Hier böte sich am ehesten die Gelegenheit, einen Teil der zukünftigen Bebauung als Wohnraum zu nutzen).

Die Höhenentwicklung der Gebäude und die Möglichkeiten einer etappenweise Realisierung
Die vorgeschlagene neue Grundfigur für das Geviert ist so angelegt, dass auch eine etappenweise Realisierung möglich ist, bei der die interessanteren und erst vor wenigen Jahren fertiggestellten Gebäude, welche am Rande des Gevierts liegen, in einer ersten Bauphase gehalten werden können.

Eine solche etappenweise Bebauung ist aus städtebaulicher Sicht unproblematisch, weil die angestrebte, M-förmige Grundfigur mit der prägnanten Keilform in der Mitte des Gevierts rasch realisiert werden kann, auch wenn dabei einzelne Gebäude am Rand des Gevierts bestehen bleiben. Die städtebaulichen und ökonomischen Vorteile der übersichtlichen Orientierung, der Verdichtung und der optischen Aufwertung am Opernplatz können schon in einer ersten Bauphase erreicht werden.

Die Höhe der vorgeschlagenen Bebauung soll - wie schon die Grundfigur - auf die benachbarten Gebäudetypen abgestimmt werden. Dabei ist eine Abstufung und Durchmischung verschiedener Gebäudehöhen vorgesehen, die sich entweder auf die Standardhöhe der Frankfurter Blockrandbebauung oder auf die zahlreichen, in der baulichen Nachbarschaft verstreuten höheren Gebäude beziehen.

Das Einstreuen dieser höheren Gebäude (also keine turmartigen Hochhäuser!) ist aus städtebaulicher Sicht interessant, weil dadurch eine Beziehung zu den umliegenden höheren Bauten entsteht - wie z.B. die Gebäude am Rothschildpark - und die Knotenpunkte der neuen Grundfigur des Gevierts stadträumlich in Erscheinung treten.
Herzog & de Meuron, 1994

FACTS

Herzog & de Meuron Team:
Partners: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Harry Gugger
Project Team: Andrea Bernhard, Robert Hösl

Client:
Unternehmensgruppe Roland Ernst im Auftrag der Metallgesellschaft, Frankfurt, Germany